Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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EU-Kommission macht großen Schritt in Richtung Protektionismus

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In meinem vorigen Blogbeitrag habe ich begründet, warum für die EU in der Stahlhandelspolitik der Weg der USA in Richtung Marktabschottung nicht der richtige ist. Mit der am vergangenen Donnerstag im im Amtsblatt der EU veröffentlichten Einleitung einer neuen Antidumpinguntersuchung bezüglich Einfuhren von warmgewalzten Flacherzeugnissen mit Ursprung in Brasilien, Iran, Russland, Serbien und der Ukraine hat sich die Kommission entschieden, dem Ruf der Stahlindustrie nach mehr Schutz nachzugeben. Der damit getane Schritt hin zum Protektionismus ist nicht zu übersehen. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist der Schaden schon jetzt beträchtlich. Für Importeure und Verwender in der EU ist es an der Zeit, ihre Interessen jetzt vehement zu verfolgen.

Nachdem im Februar bei warmgewalzten Flacherzeugnissen bereits ein Antidumping-Verfahren gegen Einfuhren aus China eröffnet worden war, sind nun fünf der sechs wichtigsten Lieferländer der EU betroffen. Anders ausgedrückt:  bei dem mit Abstand meistimportierten Stahlerzeugnis sind nun 81% der Liefermengen des Vorjahres mit Zöllen bedroht. Da Zölle auch rückwirkend verhängt werden können, führt bereits nur die Verfahrenseröffnung zu Reaktionen von Anbietern und Käufern. Denn die Unsicherheit, ob und in welcher Höhe ein (rückwirkender) Einfuhrzoll verhängt wird, bleibt für 9 bzw. 15 Monate bestehen. Leidtragende sind Importeure und Verwender, profitieren werden die EU-Hersteller. Da warmgewalzte Bänder und Bleche oftmals weiterverarbeitet werden, wird der Wettbewerb auf dem gesamten EU-Flachstahlmarkt in erheblichem Maße beeinträchtigt sein.

Nicht nur die chinesische Stahlindustrie, sondern Hersteller aus allen Ecken der Welt betreiben also plötzlich Dumping? Den EU-Flachstahlherstellern, die sich im 2. Quartal 2016 trotz hoher Importe über den stärksten Preisanstieg seit 2011 freuen konnten, ist durch Einfuhren in dieser Zeit ein erheblicher Schaden entstanden? Serbien, auf das im Jahr 2015 gerade einmal ein Anteil von 5% an den Warmbreitband-Einfuhren der EU entfiel, wurde nicht nur deshalb einbezogen, weil die Übernahme eines serbischen Flachstahlherstellers durch ein chinesisches Unternehmen unmittelbar bevorsteht? Das Verfahren wurde nicht direkt vor der Sommerpause eröffnet, damit die öffentliche Aufmerksamkeit und die (kritische) Beteiligung betroffener Unternehmen möglichst klein gehalten werden?

Wer das politische Signal dieses Verfahrens nicht sieht, der ist blind. Mittlerweile ist knapp die Hälfte des EU-Importvolumens des vergangenen Jahres von Antidumping-Untersuchungen der EU betroffen, wie die folgende Übersicht zeigt:

Berücksichtigt man die von bereits getroffenen Anti-Dumping-Entscheidungen betroffenen Mengen, so wird zweierlei deutlich: Die Verfahren rücken immer stärker von der Nische in die Massenmärkte. Und de facto ist bereits mehr als die Hälfte der (potenziellen) EU-Einfuhren betroffen.

Hersteller aus den von dem neuen Verfahren betroffenen Ländern, haben bereits angekündigt, sich aktiv zu verteidigen und ihre Interessen als direkt Betroffene entschieden wahrzunehmen. Für Importeure und Verwender in der EU ist es ebenso an der Zeit, ihre Interessen jetzt vehement zu verfolgen. Ansonsten wird sich der EU-Stahlmarkt sehr zu ihrem Nachteil verändern.

in 2016 Aufrufe: 1434 0 Kommentare

Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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