Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Stahl wird teurer

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Seit Jahren ist es ein bekanntes Muster, dass die Stahlpreise am Jahresende verbreitet sinken. In diesem Jahr wird es anders sein. Stahl wird in den kommenden Wochen auf breiter Front teurer werden. Verantwortlich dafür sind in erster Linie steigende Rohstoffpreise. Nicht nur setzt sich die Preisexplosion bei Kokskohle fort, ohne das derzeit ein Ende in Sicht wäre. Auch die Eisenerzpreise sind zuletzt gestiegen und am internationalen Schrottmarkt haben Aufwärtskräfte ebenso die Oberhand gewonnen. Damit wird die Herstellung von Stahl teurer. Das Ausmaß der Verteuerung hängt von der Erzeugungsroute ab. Wenigstens ein Teil des Kostenschubs wird von den Stahlverbrauchern zu tragen sein. Die äußerst dynamische Entwicklung ist ein großer Unsicherheitsfaktor entlang der gesamten Wertschöpfungskette Stahl.     

Die Akteure am Stahlmarkt reiben sich die Augen. Auf der Rohstoffseite hat sich eine Aufwärtsdynamik aufgebaut, die man in derselben Dauer und Kraft zuletzt am Jahresanfang 2011 gesehen hat. Wie damals sind die Kokskohlepreise der größte Kostentreiber. Aber nicht wie seinerzeit Überschwemmungen in Australien, sondern behördliche Vorgaben in China sind diesmal der Grund (siehe Blogbeitrag von Ende September). Die Hoffnung, die Preisexplosion am Weltmarkt würde schnell wieder in sich zusammenfallen, hat getrogen. Der Leitpreis für global gehandelte hochwertige Kokskohle ist alleine im Oktober um weitere 40,- $/t gestiegen und hat in den ersten Novembertagen weitere tägliche Preissprünge vollzogen. Die Preise sind zuletzt über 300,- $/t gestiegen und haben damit ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht.  

Anders als von manchen Experten erwartet, scheinen die rapide steigenden Kokskohlepreise nicht zulasten der übrigen für die Stahlerzeugung wichtigen Rohstoffe zu gehen, sondern diese im Gegenteil mit nach oben zu nehmen, wenn auch nicht mit derselben Wucht. Aber auch Eisenerz ist zuletzt teurer geworden. Der Referenzpreis für Feinerz hat aktuell die Marke von 70,- $/t überschritten und notiert auf dem höchsten Stand seit Januar 2015. Das in den vergangenen Monaten recht stabile Preisband zwischen 50,- und 60,- $/t ist damit erst einmal Geschichte. Die am Markt vorherrschende Prognosen wurden von der Realität überholt – nicht zum ersten Mal. Auch die internationalen Schrottpreise sind seit Anfang Oktober um 20,- bis 30,- $/t gestiegen.  

Damit ist vor allem die Stahlerzeugung via Hochofenroute, über die in Deutschland vor allem Flachstahl hergestellt wird, von einem starken Kostenschub betroffen. Die Herstellung von Roheisen im Hochofen dürfte sich seit Juni um weit mehr als 100,- €/t verteuert haben, wenn man alleine die täglichen Spotmarktpreise der Rohstoffe als Basis heranzieht. In der Realität dürften die höheren Spotmarktpreise je nach Beständen, Bezugswegen und Lieferquellen in unterschiedlicher Höhe und zu unterschiedlichen Zeitpunkten bei den einzelnen Stahlwerken ankommen. Aber die kräftige Verteuerung kommt und sie trifft alle Stahlerzeuger der Welt, die auf den Bezug von Rohstoffen am Weltmarkt angewiesen sind – auch die in China.

Die Stahlerzeugung im Elektroofen steht vergleichsweise besser dar. Der Anstieg der Schrottpreise hält sich noch in Grenzen und über den Sommer bis in den Oktober hinein sind die Preise gesunken. Zudem ist der Rohstoffeinsatz bei dieser Verfahrensvariante geringer. Dennoch werden die Erzeugungskosten infolge höherer Schrottpreise ansteigen.

Die äußerst dynamische Entwicklung der Rohstoffkosten bringt viel Unsicherheit für die anstehenden Stahlpreisvereinbarungen für das Jahr 2017 mit sich. Niemand kann sagen, wie lange die Welle noch anhält und welche Höhe sie erreichen wird. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass in den meisten Fällen auf einen steilen Anstieg ein ebenso steiler Absturz folgt. Spekulative Elemente – verstärkt durch die große Bedeutung der Rohstoffbörsen in China - und Lagereffekte spielen dabei eine große Rolle. Auf dieser wackligen Basis sind Stahlpreisvereinbarungen über längere Laufzeiten kaum zu treffen, ohne erhebliche Risiken einzugehen. Dies gilt umso mehr, als in der verarbeitenden Industrie auch kundenseitig Preisfestlegungen einzugehen sind. Klaffen diese bei der Laufzeit in Einkauf und Verkauf auseinander, potenzieren sich die unternehmerischen Risiken.

Zweifellos wird Stahl quer durch die verschiedenen Erzeugnisse in den kommenden Wochen teurer. Flachstahl kann, je nach preislicher Ausgangsbasis, sogar sehr viel teurer werden. Die Akteure entlang der Wertschöpfungskette Stahl, die sich in den vergangenen Jahren an jährlich sinkende Stahlpreise gewöhnt hatten, müssen sich neu orientieren. Noch offen ist, in welchem Umfang es den Stahlherstellern gelingen wird, die höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Aktuell scheint die Stahlnachfrage insgesamt nicht stark genug, als das eine vollständige Überwälzung problemlos möglich wäre. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Bild in den kommenden Wochen durch einen einsetzenden Bestandsaufbau ändern wird. Dieser war in Phasen starker Kostenveränderungen in der Vergangenheit häufig zu beobachten und es hat sich dabei gezeigt, dass Lagereffekte die Stahlmarktentwicklung wesentlich beeinflussen können. Ob es auch dieses Mal so kommt, hängt vor allem davon ab, wie die Marktteilnehmer die Nachhaltigkeit der jüngsten Aufwärtsbewegung einschätzen.

in 2016 Aufrufe: 1528 0 Kommentare

Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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Gast Sonntag, 25 Februar 2018

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