Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Deutsche Stahleinfuhren: China spielt kaum eine Rolle

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In den vergangenen Wochen war immer wieder von der Bedrohung der deutschen Stahlindustrie durch billige Importe aus China die Rede. In Brüssel demonstrierten Betriebsräte und Manager Hand in Hand gegen die „gedumpten Stahl-Importe aus China, die sich den letzten anderthalb Jahren verdoppelt haben.“ Das Bild von der Stahlschwemme aus China wird ohne Ende wiederholt, so dass sich bei vielen Akteuren in Politik und Wirtschaft der Eindruck verfestigt, der hiesige Markt werde vom chinesischen „Billigstahl“ geradezu geflutet. Eine Analyse der kürzlich vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Außenhandelszahlen für das Jahr 2015 bringt dagegen ein überraschendes Ergebnis: am deutschen Markt spielt Stahl aus China bislang kaum eine Rolle. Sein Anteil an der deutschen Marktversorgung ist verschwindend gering.

In der Rangliste der wichtigsten Herkunftsländer des 2015 nach Deutschland importierten Stahls nimmt China mit einer Menge von 560.881 Tonnen lediglich Rang 14 ein. Es war noch hinter Russland und Brasilien das drittwichtigste Nicht-EU-Lieferland. Aus China kamen 2,4% aller deutschen Stahleinfuhren, die bei 23,037 Mio. Tonnen lagen. Geht man davon aus, dass im vergangenen Jahr ca. 39,3 Mio. Tonnen Stahl in Deutschland verbraucht wurden, kamen davon 1,4% aus China.

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Dieser Befund klingt auch deshalb so unerwartet in den Ohren des Beobachters, weil bei vielen Verweisen auf dynamische Steigerungsraten der Einfuhren aus China das absolute Niveau nicht genannt wird. Und das ist immer noch sehr niedrig. Der deutliche Anstieg der Lieferungen aus China um gut 40% relativiert sich daher doch sehr, zumal er noch vom Anstieg der Lieferungen aus Brasilien und Finnland übertroffen wurde.

Der Löwenanteil des nach Deutschland importierten Stahls kommt nach wie vor aus den EU-Nachbarländern. An der Spitze lag in den vergangenen beiden Jahren Frankreich, gefolgt von Belgien und Italien. Auffällig ist, dass sowohl Frankreich als auch Italien 2015 deutliche Rückgänge zu verzeichnen hatten. Die Einfuhren aus Belgien und den Niederlanden, wo die für überseeische Einfuhren wichtigen Häfen liegen, haben sich nur wenig verändert.

Natürlich liefert der pauschale Blick auf die deutschen Stahleinfuhren nur einen Teil der Wahrheit, berücksichtigt er doch nicht die Entwicklung bei einzelnen Erzeugnissen oder in anderen EU-Ländern (für die es dann jeweils aber auch wieder besondere Gründe gibt). Dennoch: die Menge des chinesischen Stahls in Deutschland, immerhin der größte Markt innerhalb der EU, ist so gering, dass die ihm zugeordnete Negativ-Wirkung maßlos übertrieben scheint. Dies gilt umso mehr, als auch die Preisunterbietungsspanne des chinesischen Stahls im Vergleich zu europäischen Angeboten sehr viel niedriger ist als gemeinhin angenommen. Dies legen verschiedene Antidumpinguntersuchungen nahe.  

Können Anbieter mit einem Marktanteil von unter 2% und einem Preisvorteil von vielleicht 10% ein Marktgleichgewicht nachhaltig aus den Fugen bringen? Oder sind dafür nicht noch andere Faktoren erforderlich wie zum Beispiel eine chronische Nachfrageschwäche, sinkende Rohstoffkosten und Überkapazitäten auf dem heimischen Markt? Eine etwas vollständigere Betrachtung der vielfältigen Gründe täte der öffentlichen Ursachenforschung auch deshalb gut, weil dann die Wirksamkeit und Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen realistischer eingeschätzt werden könnte.

in 2016 Aufrufe: 2705 0 Kommentare

Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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Gast Dienstag, 15 Oktober 2019

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