Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Völlig losgelöst – Flachstahlpreise von realistischer Bewertung entkoppelt

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Die eskalierende Versorgungskrise fordert ihren Tribut: die Spotmarktpreise für Flachstahl sind in den vergangenen Wochen weiter nach oben geschnellt und haben frühere Rekordstände weit hinter sich gelassen. Während manche Experten schon den Beginn eines neuen Superzyklus am Stahlmarkt ausrufen, bleibt Vorsicht angebracht. Denn das aktuelle Preisniveau wird weder von einer boomenden Nachfrage noch von den Rohstoffkosten getragen. Kern des Problems ist unverändert das nicht ausreichende Angebot in Verbindung mit ungünstigen Weltmarkteinflüssen. Diese Konstellation wird sich nicht unbegrenzt halten. Die potenzielle Fallhöhe ist schon jetzt extrem groß und nimmt mit jedem weiteren Preisanstieg zu.   

Für das, was sich derzeit am Flachstahlmarkt abspielt, gehen langsam die Superlative aus. Am Spotmarkt steigen die schon zuvor rekordhohen Preise seit März in dramatischen Sprüngen weiter an. Fast wöchentlich werden neue Preiserhöhungen angekündigt. Angebote sind nur für Tage gültig. Und Käufer, die verzweifelt auf der Suche nach Stahl sind, scheinen jeden Preis zu zahlen, um Bandstillstände zu vermeiden. Die Preise für Warmbreitband bewegen sich auf die Hürde von 1.000,- €/t zu, die bei kaltgewalzten und verzinkten Blechen schon genommen wurde. Der bisherige Rekordstand des Jahres 2008 ist um ca. 200,- €/t überschritten. Dies sind Dimensionen, die vor kurzem noch unvorstellbar waren. Zwar sind aktuelle Spotmarktpreise nur bedingt repräsentativ, da dort derzeit nur ganz geringe Mengen angeboten werden. Die Musik spielt für die meisten Unternehmen im Vertragsgeschäft. Für Verarbeiter, die Halbjahresverträge abgeschlossen haben, zeichnen sich auch dort Preiserhöhungen in nie gesehenem Umfang ab.

Manche Experten rufen bereits den Beginn eines neuen Superzyklus am Stahlmarkt aus. Doch dafür fehlt eine entscheidende Komponente: eine hohe Nachfrage. Die gerade vorgelegte neue Prognose des Weltstahlverbandes Worldsteel  ist zwar leicht nach oben angepasst worden. Dennoch wird für Deutschland in diesem Jahr eine Nachfrage erwartet, die das nicht gerade starke 2019er-Niveau noch unterschreiten wird. Zum Boomjahr 2008 fehlen noch mehr als 8 Mio. Tonnen oder 20%.  Aktuelle Daten unterstützen die Einschätzung, dass die Stahlnachfrage nicht boomt: Die Auftragseingänge der deutschen Werke lagen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2021 etwas unter dem Vorjahr. Dies gilt auch für die Produktion der wichtigen Abnehmerbranchen, die überwiegend auch niedriger als im 4. Quartal 2020 lag. Auch am EU-Stahlmarkt wird der Nachfragezuwachs des Jahres 2021 nicht stark genug sein, um den Einbruch des Vorjahres auszugleichen.

Die Rohstoffkosten können den jüngsten Preisanstieg ebenso wenig erklären. Diese waren für die Hochofenroute im 1. Quartal 2021 weitgehend konstant und steigen im April nur leicht an. Auf Basis von Spotmarktwerten überschreitet der Abstand der Warmbandpreise zu den Rohstoffkosten aktuell den bisherigen Rekordstand vom Oktober 2008 um ca. 100,- €/t. Bereits der damalige Wert, der nur für einen einzigen Monat erreicht wurde und dann innerhalb von drei weiteren Monaten um 200,- €/ abstürzte, übertraf das langjährige Mittel um fast 250,- €/t.

Geschichte muss sich nicht wiederholen und das Marktumfeld ist heute ein anderes. Trotzdem macht der Vergleich klar, wie weit sich die Spotmarktpreise mittlerweile von einer realistischen Bewertung entkoppelt haben. Auch wenn es im Moment noch keine Anzeichen dafür gibt: ein Absturz wird kommen, und er wird heftig ausfallen. Es sind genügend Kapazitäten vorhanden, um den selbst in optimistischsten Szenarien zu erwartenden Stahlbedarf zu decken. Die Knappheit wird nicht ewig andauern.  

© StahlmarktConsult Andreas Schneider. Verwendung nur mit Quellenangabe erlaubt.

 

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Gast Donnerstag, 05 August 2021

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