Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Stahlpreiserhöhungen: Wendepunkt oder Strohfeuer?

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Der Stahlmarkt befindet sich gerade in einer sehr spannenden Phase. Bei vielen Unternehmen, vor allem im Automotive-Bereich, stehen die neuen Preisvereinbarungen für das erste Halbjahr 2013 vor dem Abschluss. Nicht nur, aber auch in diesem Kontext haben viele europäische Stahlerzeuger in den vergangenen Wochen für den Spotmarkt höhere Preise angekündigt. Nachdem Marktführer ArcelorMittal im November den Anfang gemacht hatte, folgten im Flachstahlbereich Tata Steel die italienische Marcegaglia (diese mit der bereits zweiten Erhöhungsankündigung), Salzgitter Flachstahl und die schwedische SSAB. Die angekündigten Erhöhungen liegen zwischen 30,- und 50,- €/t, wobei für das Referenzprodukt Warmbreitband am deutschen Markt häufiger die Zielmarke von 500,- €/t zu hören war.

Ganz aktuell wird über eine neue Ankündigung von ArcelorMittal berichtet, man werde die Flachstahlpreise um weitere 20,- €/t anheben und nehme für den deutschen Markt einen Warmbreitband-Grundpreis von 520,- €/t ins Visier. Auch für Langprodukte wie Träger und Stabstahl sind von mehreren Stahlherstellern höhere Preise angekündigt worden.

Ein erstes Fazit für Dezember führt zu dem Ergebnis, dass sich der Preistrend am deutschen Spotmarkt erwartungsgemäß gedreht hat. Der Tiefpunkt der Preise wurde im November erreicht, seitdem war für die meisten Erzeugnisse ein Preisanstieg zu verzeichnen. Allerdings konnten die Hersteller die angestrebten Preise bisher nicht in vollem Umfang am Markt umsetzen. Je nach Erzeugnis konnte bisher in manchen Fällen nur ungefähr die Hälfte der avisierten Preiserhöhungen erreicht werden, in anderen Fällen sogar noch weniger als das.

Die Frage ist nun, gerade angesichts der Ergebnissituation vieler Stahlhersteller, ob mit dem bisherigen Preisanstieg ein echter Wendepunkt eingeläutet wurde oder ob es sich eher um ein Strohfeuer von begrenzter Dauer handelt.

Zunächst einmal muss berücksichtigt werden, dass Preiserhöhungen nur auf dem Spotmarkt auf der Tagesordnung stehen. Bei der Erneuerung von Halbjahres- oder in manchen Fällen auch Jahresverträgen dürfte es nach der schwachen Preisentwicklung im zweiten Halbjahr 2012 zu einem Minus kommen. Hier kann der jüngste Anstieg der Spotpreise aus Herstellersicht allenfalls dazu beitragen, den kaum vermeidbaren Rückgang etwas erträglicher zu gestalten.

Für die Frage, wie es am Spotmarkt im neuen Jahr weitergeht, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Dazu gehören die Rohstoffkosten. So hat Salzgitter die jüngsten Preiserhöhungen unter anderem mit wieder ansteigenden Rohstoffkosten begründet. In der Tat haben die Spotmarktpreise vor allem für Eisenerz und abgeschwächt auch für Kokskohle gegenüber dem im September erreichten Tiefpunkt wieder einiges zugelegt. Allerdings sind die Notierungen vor allem bei Kokskohle noch ein gutes Stück von dem Niveau am Jahresende 2011 entfernt.

Zudem muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Spotmarktpreise für Rohstoffe nur bedingt etwas über die rohstoffbedingten Kosten der Stahlherstellung aussagen. In allen Marktphasen gibt aufgrund des breiten Mix an Vertragsgestaltungen (Spotmarkt-, Monats-, Quartals- und Jahrespreise) und wegen der Wechselkurseffekte eine erhebliche Spanne zwischen den reinen Spotmarktpreisen und den Kosten, die bei der Stahlherstellung tatsächlich ankommen.

So kann man dem jüngsten Zwischenbericht der Salzgitter AG Folgendes entnehmen: „Mit einem Erzlieferanten - von dem traditionell ein signifikantes Mengenvolumen bezogen wird - wurde für den Zeitraum April 2012 bis März 2013 wieder ein Jahresvertrag mit einer Flexibilisierungsklausel abgeschlossen, die inzwischen zu einer Absenkung des Bezugspreises geführt hat.“ Also dürften zumindest in diesem Unternehmen die tatsächlichen Rohstoffkosten seit Oktober gesunken sein, während die Entwicklungen am Spotmarkt argumentativ für Preiserhöhungen herangezogen werden.

Die Frage, inwieweit tatsächliche oder vermeintliche Kostenerhöhungen in den eigenen Verkaufspreisen weitergegeben werden können, entscheidet sich immer noch an der Relation von Angebot und Nachfrage. Hier hat sich die Situation nicht grundlegend geändert: Zum Jahresanfang 2013 ist mit einem vor allem technisch bedingten Bestellzuwachs bei den Stahlwerken zu rechnen, im Gesamtjahr dürfte der konjunkturbedingte echte Stahlbedarf aber erneut verhalten ausfallen. Ob sich der zuletzt zu beobachtende zarte Anstieg einiger Konjunktur-Frühindikatoren zu einem echten Schub für die Industrieproduktion auswachsen wird, muss abgewartet werden. Aufgrund der aktuellen Konjunkturlage und der schwachen Prognose für das Winterhalbjahr erwarte ich im ersten Quartal jedenfalls keinen Nachfrageschub im Ausmaß der beiden Vorjahre.

Die Stahlerzeugung in Deutschland und auch in der EU ist in den vergangenen Monaten der schwächeren Nachfrage angepasst worden. Die Lieferzeiten sind aber nach wie vor insgesamt recht kurz, die Versorgung weitgehend unproblematisch. Allerdings gibt es einen wichtigen Sonderfaktor: Die unklare Situation rund um das Ilva-Stahlwerk im italienischen Taranto war in den vergangenen Wochen ein nicht unerheblicher Unterstützungsfaktor für höhere Preise auch am deutschen Markt.

Nachdem zunächst ein Dekret der italienischen Regierung, mit der die Fortführung der Stahlproduktion unter Auflagen ermöglicht wurde, für eine gewisse Entspannung sorgte, ist zuletzt die Auseinandersetzung um die von der Justiz beschlagnahmten Bestände von bereits produziertem Halbzeug und Walzstahlerzeugnissen in den Mittelpunkt gerückt.

Es scheint zwar wenig wahrscheinlich, ist aber auch nicht ganz auszuschließen, dass Ilva die Auslieferung dieser Produkte tatsächlich verwehrt bleiben wird. Die Lage ist schwer überschaubar, kann sich offenbar täglich ändern und birgt Potenzial für Überraschungen.

Davon ausgehend, dass sich bei Ilva kein worst-case-Szenario mit einem endgültigen, weitgehenden Lieferausfall einstellt, komme ich zu folgender Einschätzung:

1. Am Spotmarkt ist in den kommenden Wochen bei den meisten Stahlerzeugnissen mit weiteren Preiserhöhungen zu rechnen. Aufgrund der insgesamt gegenüber dem Vorjahr niedrigeren Rohstoffkosten und der derzeitigen Konjunkturlage werden die Preise aber wahrscheinlich nicht das Niveau vom Frühjahr 2012 erreichen.

2. Um danach ein abermaliges Abrutschen der Preise zu vermeiden, wie wir es in 2011 und 2012 erlebt haben, müsste es zu einer deutlichen Konjunkturbelebung und damit einhergehend zu einem entsprechend starken Anstieg des Stahlbedarfs kommen oder es müsste sich auf der Rohstoffseite ein starker „push-up-Effekt“ einstellen. Beides ist aus heutiger Sicht nicht erkennbar. 3. Aufgrund der Tatsache, dass der Stahlverbrauch auf EU-Ebene deutlich stärker gesunken ist als in Deutschland, wird der innereuropäische „Kampf um Menge“ hart und der Preiswettbewerb entsprechend intensiv bleiben.

4. Bei Halbjahresverträgen wird es im für das erste Halbjahr 2013 im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2012 zu Preisermäßigungen kommen.

5. Für die deutsche Stahlindustrie wird das Marktumfeld auch im neuen Jahr herausfordernd bleiben.

© StahlmarktConsult Andreas Schneider. Nachdruck und Verwendung mit Quellenangabe ist erlaubt.

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Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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Gast Dienstag, 15 Oktober 2019

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