Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Stahlmärkte im Griff der Coronakrise

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Die Stahlmärkte befinden sich derzeit weltweit im festen Griff der Coronakrise. Sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite sind schockartige Entwicklungen zu verkraften, deren Folgen kaum absehbar sind. Während sich die Stahlpreise in der EU derzeit noch relativ unbeeindruckt zeigen, sind in anderen Regionen teilweise heftige Preisrückgänge zu verzeichnen. Auch hierzulande dürften vor allem bei Flachstahl die Spotmarktpreise in den kommenden Wochen spürbar fallen.

Die Bänder stehen nun nicht nur in der Automobilindustrie verbreitet still. Auch in der Zulieferindustrie, im Maschinenbau oder der Luftfahrtindustrie ist es zu massiven Rückgängen und Stillständen in der Produktion gekommen. In den meisten Unternehmen der stahlverarbeitenden Industrie steht neben dem Mitarbeiter- und Gesundheitsschutz die Umsetzung von Notfallplänen und die Sicherung der Liquidität im Vordergrund. Die weitere Stahlpreisentwicklung ist derzeit allenfalls am Rande von Interesse.

Prognosen zur weiteren Entwicklung machen wenig Sinn, wenn die Lage von Wirtschaft und Gesellschaft in kurzer Zeit ganz anders aussehen kann. Aufgrund der hohen Dynamik der Krisenentwicklung in vielen Regionen und der starken Vernetzung kann sich die Lage schnell ändern. Versucht man sich dennoch an einem Ausblick auf die Stahlpreisentwicklung der kommenden Woche, steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Einschränkungen des Angebots oder die der Nachfrage überwiegen werden.

Denn mittlerweile haben alle europäischen Flachstahlhersteller reagiert und eine Anpassung der eigenen Produktion angekündigt, wobei dies in den meisten Fällen nicht näher quantifiziert wurde. Auch das vollständige Herunterfahren einzelner Hochöfen ist von einzelnen Standorten gemeldet worden.

Auch wenn für die jetzige Situation keinerlei Erfahrungswerte vorliegen, ist es wahrscheinlicher, dass der Einbruch der Nachfrage gerade bei Flachstahl zumindest in der ersten Zeit nicht durch entsprechende Angebotsrücknahmen kompensiert werden kann. Denn Hochöfen können nicht so schnell wie zum Beispiel Automobilwerke gestoppt werden. Der Prozess ist kostspielig und technisch herausfordernd. Zudem dürfte sich noch viel Stahl im System befinden, der plötzlich nicht benötigt wird.

Daher dürften erhebliche Mengen vom Kontraktgeschäft auf den Spotmarkt umgeleitet werden. Dessen Aufnahmefähigkeit dürfte aber sehr beschränkt sein. Generell sind die Aktivitäten am europäischen Spotmarkt in den letzten Tagen in einem Maße zurückgegangen, das es kaum noch möglich macht, verlässliche Marktpreise auf einer breiteren Basis zu ermitteln.  Von Stahl-„Hamsterkäufen“ zur Sicherung der eigenen Produktions- und Lieferfähigkeit war zwar Mitte März in einigen Fällen zu hören, schon aus Gründen der Liquiditätssicherung dürfte dies aktuell aber kaum eine Rolle spielen.

Besser als in weiten Teilen der verarbeitenden Industrie sieht es in der Bauwirtschaft aus, so dass die Nachfrage nach baunahen Langprodukten vergleichsweise stabiler ist. Zudem kann die Produktion in Elektrostahlwerken technisch wesentlich flexibler gestaltet werden. Hier ist eher die Frage, ob die Behörden oder eigene Überlegungen zum Mitarbeiterschutz eine Aufrechterhaltung zulassen. So ist in Italien die Langprodukte-Produktion weitgehend zum Erliegen gekommen.

Trotz der in China wieder langsam anlaufenden Industrieproduktion zeigt der Preistrend für Walzstahl und Halbzeuge am asiatischen Markt derzeit klar nach unten. Sehr hohe Bestände in China und Nachfrageeinbrüche in vielen asiatischen Ländern drücken auf die Preise. Viele Erzeuger versuchen derzeit, die schwache Nachfrage auf ihren Inlandsmärkten durch höhere Exporte auszugleichen. Zum Teil drastische Währungsabwertungen zum Beispiel in Russland oder Indien befeuern entsprechende Preisrücknahmen im Export. Dies dürfte zu einem wachsenden Preisdruck auch in Europa führen, auch wenn nicht klar ist, in welchem Maße der internationale Handel bei beeinträchtigen Logistik-Ketten noch funktionieren kann.

Auch wenn aktuell im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden kann, dass kurzfristige Bedarfsdeckungen nur zu höheren Preisen möglich sind, dürften die Preise für Flachstahl am Gesamtmarkt in den kommenden Wochen spürbar sinken. In welcher Geschwindigkeit und in welchem Ausmaß dies geschehen wird, ist reine Spekulation. Einen regelrechten Kollaps der Preise dürften die immer noch relativ hohen Rohstoffkosten verhindern. Vor allem die Eisenerzpreise zeigen sich weiterhin recht robust. Auch hier sind Störungen des Angebots und der Nachfrage gegeneinander abzuwägen. Ob sich die jüngst – wie auch bei Kokskohle – sichtbaren Schwächetendenzen verstärken, muss daher abgewartet werden.

Regelrecht kollabiert sind in den vergangenen zwei Wochen dagegen die Schrottpreise am türkischen Leitmarkt, die den niedrigsten Stand seit vier Jahren erreicht haben. Daher dürften auch in Deutschland die Schrottpreise erheblich sinken, was die Preise für im Elektroofen hergestellter Langprodukte trotz der vergleichsweise besseren Marktsituation ebenfalls unter Druck setzen könnte.

Allen Lesern meines Blogs wünsche ich an oberster Stelle, dass sie die Krise persönlich und im Unternehmen einigermaßen gut überstehen und dass wir uns alle in nicht allzu ferner Zukunft wieder in normaleren Umständen bewegen.

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Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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Gast Donnerstag, 13 August 2020

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